Fusion von Objet und Stratasys: Interview mit David Reis

An alle unsere Leser – wir hoffen Sie hatten schöne Feiertage und wünschen allen ein erfolgreiches Jahr 2013!

Das Jahr 2013 haben wir mit bahnbrechenden Nachrichten begonnen: Objet und Stratasys – zwei führende Unternehmen der 3D-Druckindustrie – sind nun zu einem neuen gemeinsamen Unternehmen fusioniert. Die komplette Pressemitteilung dazu finden Sie hier.

Was bedeutet dies für die Zukunft des 3D-Drucks? Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns mit David Reis, CEO des neu aufgestellten Unternehmens, getroffen. Nachfolgend finden Sie die komplette Abschrift seines Interviews.

Sam Green: Was waren die Gründe für die Fusion und welchen Hauptvorteil sehen Sie für Ihre Kunden?


David Reis CEO of Stratasys

David Reis, CEO der neuen Stratasys, steht neben dem Objet260 Connex Multimaterial 3D-Drucker

David Reis: Wir glauben, es war ein idealer Zeitpunkt für die Fusion der zwei erfolgreichen Unternehmen. Beide Firmen sind durch ihre jeweiligen Stärken sehr erfolgreich geworden und nun vereinen wir das Beste aus beiden Welten. Unsere Technologien ergänzen sich, wir haben eine ähnliche Unternehmenskultur, in der Innovation und Kundenservice höchste Priorität haben. Wir kennen uns auch persönlich, da Stratasys bis 2007 die 3D-Drucksysteme von Objet vertrieben hat.

Wir glauben, dass ein größeres Unternehmen wie das neu aufgestellte Stratasys besser dazu in der Lage ist auf den schnellen Wachstum des 3D-Drcukmarktes und damit verbundenen Veränderungen zu reagieren. Als gemeinsames Unternehmen sind wir in jeder strategischen Region repräsentiert und verfügen über 260 Vertriebshändler weltweit. Dies bietet uns bessere Möglichkeiten, vertikale Märkte wie die Zahnmedizin, den Bildungssektor und Direct Digital Manufacturing gezielt anzusprechen. Zudem sind wird auch finanziell und im Hinblick auf Management stärker geworden.

SG: Können Sie uns die Vision des neuen Unternehmens schildern?

DR: Unsere Vision kann man in drei Schwerpunkte aufteilen.

Kurz gefasst ist unsere Vision zunächst: die 3D-Druckrevolution anzuführen. Was bedeutet es anzuführen? Für uns bedeutet es, ein Stratasys 3D-Drucker wird überall eingesetzt, wo er den Konstruktions- und Produktionsprozess unterstützen kann. Es bedeutet ein 3D-Drucker wird an jedem Arbeitsplatz, in jedem Büro, jeder Abteilung und in jedem Unternehmen stehen, das sich mit Design, Konstruktion und Produktion beschäftigt – weltweit.

Mit dieser Vision geht auch eine Herausforderung einher: Sicherzustellen, dass 3D-Druck die Anerkennung erhält, die er tatsächlich verdient – als ein wesentlicher Bestandteil des Produktdesigns, der Entwicklung und Herstellung. Das heißt jeder soll sich mit dem 3D-Druck genau so vertraut machen, wie einst mit Faxmaschinen, oder E-Mail oder sozialen Medien. Und ich glaube genau das passiert gerade. Es hat eine Weile gedauert, bis wir aus unserer spezialisierten Nische mehr und mehr ins Licht der Öffentlichkeit gerückt sind, und nun ist es fast soweit. In der Tat vergeht kaum eine Woche ohne dass man Diskussionen über 3D-Druck in Mainstream-Medien sowie Fachpresse, im Fernsehen, auf YouTube, Facebook und LinkedIn findet.

Und der dritte Schwerpunkt – das ist wirklich der Dreh- und Angelpunkt unserer Vision – der Name Stratasys soll als Synonym für die ganze 3D-Druckindustrie stehen. Um dies zu erreichen und die begehrteste Marke im 3D-Druck zu werden, arbeiten wir stets daran 3D-Drucksysteme zu entwickeln, die für ihre herausragende Qualität und Leistung, hohe Zuverlässigkeit, Kosteneffizienz, Benutzerfreundlichkeit und sogar Ästhetik anerkannt sind.

3D-Drucker bei einer der letzten BBC Newsnight Sendung – 3D-Druck gewinnt immer mehr Aufmerksamkeit in den Medien


Emma's Magic 3D Printed Arms

Forscher verwenden Stratasys Dimension 3D-Drucker, um individuell angepasste Armprothesen für die zweijährige Emma herzustellen, die unter einer seltenen Muskelerkrankung leidet und ihre Arme nicht bewegen kann

SG: 3D-Druck existiert schon seit 20 Jahren oder länger. Was also ist so besonders an 3D-Druck und warum gerade jetzt?
Emma’s Magic 3D Printed Arms

Forscher verwenden Stratasys Dimension 3D-Drucker, um individuell angepasste Armprothesen für die zweijährige Emma herzustellen, die unter einer seltenen Muskelerkrankung leidet und ihre Arme nicht bewegen kann

DR: 3D-Druck repräsentiert einen Paradigmenwechsel in der Art und Weise wie einige Herstellungsverfahren funktionieren. In der traditionellen Herstellung wird ein existierendes Material mithilfe von Schneidewerkzeugen geformt, dann werden die Teile zusammengebaut – das nennen wir „subtraktive“ Fertigung. 3D-Druck dagegen, ist in einigen Aspekten der Natur ähnlicher, ein Gegenstand wird praktisch aus dem Nichts, von Grund auf
geschaffen durch einen „additiven“ Prozess. In unserem Fall werden sehr dünne Schichten aus Plastik oder Acrylharzen aufeinander aufgebaut bis ein Objekt entsteht.

Es ist wahr, dass 3D-Druck bereits seit 20 Jahren in verschiedenen Industrien angewendet wird. Dies demonstriert, dass es sich nicht um ein weiteres Hype-Phänomen handelt, sondern um eine reale und reife Technologie.

Zwei Faktoren tragen dazu bei, dass 3D-Druck heute ins Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit rückt.

Eine Welle des 3D-Inhalts findet man zurzeit überall. Dieser Inhalt wächst, von 3D-Kino über 3D-CAD-Programme bis hin zu MRI Scans.

3D-Druck ist ein natürliches Output-Instrument für diesen ganzen 3D-Inhalt, in derselben Art und Weise wie ein gewöhnlicher Desktop Drucker zum natürlichen Output-Instrument für Worddokumente und PowerPoint Präsentationen geworden ist.

Der zweite Faktor ist die Wirtschaftlichkeit. 3D-Druck ermöglicht es Designern, Konstrukteuren und Herstellern bessere Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Die Auswirkungen auf die von Rezession betroffenen Volkswirtschaften sind offensichtlich. Die Regierung von US Präsident Obama will mit bis zu 60 Mio. Dollar das National Additive Manufacturing Innovation Institute subventionieren. Und die EU veröffentlichte in einem Bericht ihre Pläne, 3D-Druck eine hohe Priorität bei der Wiederbelebung des zuletzt stark angeschlagenen herstellenden Sektors einzuräumen.

SG: Wie wird 3D-Druck in Zukunft den Alltag gewöhnlicher Menschen und Unternehmen beeinflussen?

Objet1000 Full Scale 3D Printed Prototype Wheel

3D-Druck ermöglicht bessere Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Abteilungen/Kunde und Unternehmen bei Entscheidungen über Designfragen

DR: Zuerst wird 3D-Druck, und das geschieht bereits, Designprozesse befreien und sie schneller, dynamischer und kreativer werden lassen. Mit einem 3D-Drucker können Designer nahezu sofort ihre Ideen mit einem physischen, realitätsgetreuen Modell überprüfen, und wenn sie nicht zufrieden sind, eine Änderung schnell umsetzen. Dies besitzt enorme Wirkungsmacht. Es fördert und ermöglicht bessere Zusammenarbeit zwischen Arbeitsgruppen, macht den Herstellungsprozess dynamischer und eröffnet Unternehmen die Möglichkeit, individualisierte und personalisierte Produkte einfacher anzubieten. Am Ende des Tages werden dadurch bessere Produkte für Verbraucher hergestellt – und dies schneller als je zuvor. Wenn wir dies im geschichtlichen Kontext betrachten, vereint 3D-Druck das Beste aus sowohl der Pre- und der Post-industriellen Welt: Man kann jetzt maßgefertigte Waren herstellen, mit der Qualitätssicherheit und Kosteneffizienz der Massenfertigung. Im Wesentlichen sprechen wir hier über die nächste industrielle Revolution.

SG: Was erwarten Sie für 3D-Druck in 2013?

DR: Wir erwarten Innovationen über das ganze Spektrum des 3D-Drucks. Im Einstiegsbereich bedeutet das kleinere, erschwingliche 3D-Drucksysteme auf professionellem Niveau wie z. B. Mojo, während im High-End Bereich größere und leistungsstärkere Drucker präsent werden – wie der neue Objet1000 3D-Drucker im Großformat.

Darüber hinaus erwarten wir eine stärkere Tendenz zum 3D-Druck für Direct Digital Manufacturing mit der Fortus-Linie. Das heißt mehr Hersteller werden 3D-Druck einsetzen, um Endprodukte schneller herzustellen. In der allgemeinen 3D-Welt erwarten wir, dass 3D-Inhalte noch im größeren Maße verfügbar werden und für die breite Öffentlichkeit zugänglicher werden – nicht nur professionelle Konstrukteure, sondern auch Studenten, Lehrer, Forscher, Hobbydesigner, Modellmacher und Unternehmensinnovatoren.


Stratasys Product Line Up

Das vereinte Stratasys Produktportfolio – von kompakten Desktop 3D-Druckern wie Mojo bis hin zu 3D-Druckern im Großformat wie Objet1000 und Direct Digital Manufacturing Produktionsdrucksystemen Fortus.

SG: David, vielen Dank für Ihre Zeit.

DR: Sehr gerne. Ich wünsche allen Lesern und unseren Kunden und Partnern ein sehr glückliches und erfolgreiches Neues Jahr!

Um mehr von David Reis zu erfahren, lesen Sie auch den Artikel „From This Day, Forward“ auf unseren Schwester-Blog. (Nur in Englisch verfügbar.)

Verpassen Sie auch nicht den neuen Blog-Beitrag von Scott Crump, dem Mitgründer von Stratasys und neuem Vorstandsvorsitzenden – „A New Chapter and My New Role at Stratasys“. (Nur in Englisch verfügbar.)

Mehr Informationen über das neu aufgestellte Unternehmen finden Sie auch auf www.Stratasysfora3DWorld.com

Blog-Beitrag auch verfügbar in: Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Brasilien

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